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Ich fahre nie schwarz, wirklich. Aber jetzt, jetzt musste es sein. Mein Kleingeld reichte nicht mehr für eine Fahrkarte und das Wechselgeld für den ganz großen Schein, den mir der Bankautomat ausgespuckt hatte, in 2-€-Münzen in mein Portemonaie zu stopfen konnte ja nicht wirklich eine Alternative sein. Natürlich hätte ich einen der anderen Wartenden bitte können, mir meinen großen Schein in kleinere zu tauschen, aber wie das Leben so spielt kam just in diesem Augenblick der Erkenntnis der Bus. Meine letzte Chance (denn ich hatte es selbstverständlich eilig wie jeder anständige Mensch heutzutage) war der Fahrkartenautomat im Bus, aber der war – verflixt nochmal! – vom Erdboden verschluckt worden.

Es gab also nur eine Lösung: Ich musste es schaffen, ganze 16 Minuten schwarz zu fahren. 16 Minuten können unglaublich lang sein, wenn man sie mal kurz bräuchte und vergehen wann anders so schnell, wo man die Zeit doch nutzen wollte – keine 16 Minuten sind so gut erzogen, dass sie sich um die Bedürfnisse der Verbraucher kümmern. Ein Jammer.

Nun hieß es also, sich gut vorzubereiten. Sollte ich mich schlafend stellen? Bei manchen Kontrolleuren soll das ja funktionieren, aber mittlerweile ist die Technik doch recht bekannt. Ich hatte mich versuchsweise mal trotz Fahrkarte schlafend gestellt, damals wurde ich geweckt. Mal abgesehen von den unzähligen Malen als ich tatsächlich tief und fest eingeschlafen war und womöglich am Ende der Busfahrt höflich vom Busfahrer darauf hingewiesen wurde, dass er jetzt ganz gerne Feierabend machen würde. Also heute nicht schlafen.

Was dann? Flüchten, sobald verdächtig aussehende Mitfahrer einsteigen, die eventuell mit klitzekleiner Wahrscheinlichkeit vielleicht Kontrolleure sein könnten? 16 Minuten lang an der Tür stehen ist doch etwas zu sportlich für mich Weiterlesen »

Kürzlich las ich einen Artikel über ein kleines Mädchen mit einer Malformation der Vena Galeni. Die Mutter erklärt:

Die Vena Galeni ist eine der Hauptvenen im Gehirn. Der schwarze Fleck ist ein Kurzschluss zwischen einer Arterie und dieser Vene. Normalerweise fließt das sauerstoffreiche Blut durch die Arterie zum Gehirn, gibt dort den Sauerstoff ab und fließt danach durch die Vene wieder zurück zum Herzen, bei unserem Baby geht es von der Arterie direkt in die Vene. Das sauerstoffreiche Blut nimmt eine Abkürzung – am Gehirn vorbei. Und weil dieser Weg weniger Widerstand bietet, fließt immer mehr Blut zurück, sackt die Ader weiter aus. Das Herz schlägt schneller und schneller, pumpt und pumpt und pumpt beim Versuch, das Hirn doch noch mit ausreichend Blut zu versorgen, pumpt so lange, bis es kollabiert. Lottas Herz schlägt in der Ruhe des Bauches schon jetzt, als joggte sie.

In diesem Artikel setzt sich die Mutter anhand ihres Kindes mit dem Umgang unserer Gesellschaft mit Behinderungen auseinander. Sie beschreibt, wie andere Menschen sie ansprechen und sich wortlos, aber merklich, wundern, dass sie sich für die Geburt entschieden hat, obwohl sie vorher wusste, was geschehen würde.

Ein behindertes Kind, das muss in Deutschland heute doch nicht mehr sein. Dafür gibt es Vorsorgeuntersuchungen, Pränataldiagnostik, Abtreibungen, notfalls Spätabtreibungen. Und doch werden in Deutschland immer noch behinderte Kinder geboren. Laut Statistischem Bundesamt haben 2009, in dem Jahr, in dem Lotta geboren wird, 365 Babys unter einem Jahr einen Schwerbehindertenausweis aufgrund einer angeborenen Behinderung. Lotta ist keins von ihnen, wir beantragen den Ausweis erst später, so wie viele andere Eltern.

Sie beschreibt auch, wie Menschen demonstrativ weggucken, wenn sie mit ihrem Kinderwagen kommt, wahrscheinlich um sie nicht anzuschauen. Sie erlebt die Hilflosigkeit von Menschen gegenüber ihrem Kind und rät:

Wer alle kleinen Kinder anlacht, sollte auch mit meiner Tochter flirten. Wer sich nicht für Babys interessiert, sollte auch ein behindertes nicht anstarren. In einem Wort: Natürlichkeit. Die ist unmöglich, wenn man jede Geste reflektiert. Wer so eine Gebrauchsanweisung nötig hat, bei dem wird sie nicht funktionieren.Der muss versuchen, Behinderte so gut kennenzulernen, dass sie nichts Besonderes mehr sind. Und bis dahin: Schauen Sie nicht auf den Rollstuhl, sondern in die Augen, und reden Sie über das Wetter.

Aber sie erlebt auch ihre eigene Hilflosigkeit, vor allem am Anfang ihrer Geschichte. Zum Beispiel als sie sich entscheiden muss, wie sie von ihrem Kind redet. Wir reden oft von Behinderungen. Die meisten von uns sind nicht persönlich betroffen, es ist leicht, darüber zu reden. Es ist leicht zu sagen, dass Behinderte auch ihren Platz in unserer Gesellschaft haben sollten. Weiterlesen »

oder: Wie man religiöse Minderheiten unterdrückt

Man könnte sagen: Jede Religion war einmal eine religiöse Minderheit und wurde von entsprechenden schon vorhandenen Mehrheiten verfolgt, gehetzt, unterdrückt – bevorzugt in ihrem Ursprungsland.

Dies trifft jedenfalls unter anderem auf die 1844 in Persien (heutiger Iran) entstandene Bahá’í-Religion zu. Der erste, der zwei Gottesoffenbarer, auf die sie sich beruft, – genannt der „Báb“ (das „Tor“) – wurde von der iranischen Regierung hingerichtet. Bahá’u'lláh („Herrlichkeit Gottes“), der vom Báb angekündigt wurde, wurde mehrmals verbannt, gefangen genommen und starb schließlich eines natürlichen Todes in einem Landhaus in der Nähe der damaligen Gefängnisstadt ‘Akká.

Seither (und auch zu Lebzeiten der beiden Zentralgestalten) werden die Bahá’í insbesondere in ihrem Ursprungsland, dem Iran, verfolgt, gedemütigt und ihrer Rechte beraubt.
Während die westlichen Medien von Menschenrechtsverletzungen und Appellen verschiedener Regierungen (u.a. der deutschen) und Organisationen (u.a. Amnesty International) an die iranische Regierung berichten, findet sich in der inländischen Presse ein ganz anderes Bild der Situation.

Im Folgenden soll die Darstellung der Situation der Bahá’í im Iran in den iranischen Medien anhand eines Artikels der Fars News Agency  untersucht und diese mit der Darstellung der westlichen Medien verglichen werden.

“The Iranian government has provided the Bahai sect in Iran with all the facilities offered to other Iranian citizens,” Najafabadi [Generalstaatsanwalt des Iran] said in an interview with press tv on Monday.

Leider lässt sich eine solche Aussage in den westlichen Medien nicht wiederfinden. So titelt CNN schon am 22.05.08 „Iran ‘plans to destroy Baha’i community’“  und die Zeitung „Die Welt“ berichtet am 12.12.08 von „Staatliche[m] Bildungsverbot für Bahai“ – „Kulturelles Verbrechen“ – „Friedhofsschändungen staatlich gelenkt“ – „Willkürliche Verhaftungen“  – um nur einen kleinen Teil des gesamten Spektrums an staatlichen Verfolgungen und Benachteiligungen zu nennen.

Jedoch steht das Volk nicht mehr vollständig hinter diesen Aktionen: „Über 240 iranische Intellektuelle haben einen offenen Brief geschrieben, in dem sie sich »beschämt« darüber zeigen, dass die Bahai »seit anderthalb Jahrhunderten ihrer Rechte in Iran beraubt werden«“, schreibt “Die Zeit” .

The top Iranian judiciary official made the remarks in response to Western claims that the Islamic Republic has violated the rights of Bahais in Iran.

Eben diese Anklagen finden sich oben und sind durchaus berechtigt. Auf einer Pressekonferenz vom 25.09.07  antwortet der Präsident des Irans Weiterlesen »

(Bildquelle)

Ist Weihnachten für Andersgläubige anders?

Die Antwort auf diese Frage scheint irgendwie selbstverständlich zu sein. Aber was hilft die Antwort, wenn die Frage nie gestellt wird? Nicht bewusst jedenfalls, dabei reden wir doch dauernd über unser multireligiöses Deutschland und ob der Islam jetzt dazu gehört oder nicht oder vielleicht schon viel länger tut als wir alle denken. Plötzlich scheint sich jeder auf unsere jüdisch-christliche Tradition zu besinnen und doch sind die Medien und überhaupt alles jetzt voll von Weihnachtsfreude und -kommerz. Nichts steht da von Chanukka. Ist unsere „jüdisch-christliche“ Tradition also nur ein Ausdruck politischer Korrektheit? Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.

Vielmehr wollte ich erzählen, dass ich mich wundere. Ich wundere mich darüber, wie mir Leute strahlend erzählen, dass ihre Freunde verschiedene Religionen und dass das der Freundschaft keinen Abriss tut. Nein, darüber wundere ich mich noch nicht, denn ich habe hauptsächlich Freunde mit einer anderen Religion, soviele, dass es vielleicht korrekter wäre zu sagen, dass ich eine andere Religion habe. Aber niemand wäre auf die Idee gekommen zu sagen: „Hey, unsere Freundschaft ist besser oder schlechter als andere, weil wir verschiedene Religionen haben“. Wieder ein anderes Thema.

Also, ich, ich wundere mich darüber, dass sich trotzdem so wenige zu etwas anderem als Geburtstag und Weihnachten beglückwünschen. Bei Facebook lese ich ab und zu mal „Id mabruk an meine muslimischen Freunde“ oder ähnliches. Aber das sind nicht viele. Vielleicht wünschen sich viele alles Gute lieber im persönlichen Kontakt oder wenigstens privater Nachricht, als das gleich mit der ganzen Welt zu teilen, fände ich auch besser. Deshalb kann ich nicht pauschalisieren.

Aber wenn ich bspw. während  des Ridvanfests in meine Emails schaue, Weiterlesen »

Die Kunst des Neuanfangs

“Fang doch einfach nochmal von vorn an, das ist sicher leichter” ist so ziemlich das Schlimmste, was mir je beim Schreiben – beispielsweise einer Hausarbeit oder eines Blogeintrags – gesagt wurde. Zugegebenermaßen: Meist kam das von mir selbst.

Die Einsicht ist also da. Nicht nur beim Schreiben, auch sonst, wenn es um Neuanfänge geht. Im Privatleben, in der Karriere, bei der Lieblingsbeschäftigung oder was auch immer. Es ist leicht, Neuanfänge einzusehen, aber nicht so leicht, sie wirklich umzusetzen. Oder doch? Warum schiebt man einen Neuanfang so lange vor sich her?

Seit über einem Jahr weiß ich z. B., dass ich mir überlegen muss, was mit diesem Blog geschieht. Und wenn ich ehrlich bin, wusste ich sehr schnell, was geschehen musste: Ein Neuanfang basierend auf Ausmisten. Weiterlesen »

Werfen wir mit Münzen!

Eckart von Hirschhausen spricht über die Psychologie des Geldes und rät u.a. : Werft mit Kleingeld, davon werdet ihr nicht ärmer, aber der Finder ist den restlichen Tag glücklich :-)

Wer noch nicht genug von ihm hat, hier noch mehr zu Glück, Medizin und vielem mehr:

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Chimamanda Ngozi Adichie ist eine nigerianische Schriftstellerin, die international sehr bekannt ist und deren Werke u.a. auch ins Deutsche übersetzt wurden. In dieser 20minütigen Rede auf TED spricht sie über die “Gefahr der einzigen Geschichte”, man könnte auch sagen: Die Gefahr des einzigen Blickwinkels oder der Scheuklappen, mit denen man nichts sieht außer jenem, was einem direkt vor die Nase gesetzt wird. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie auf Afrika, geht aber auch auf andere Bereiche ein, in denen derartiges geschieht.

Die Rede ist in englischer Sprache, man kann aber auch deutsche Untertitel einblenden lassen (subtitles). Außerdem habe ich eine von TED bereitgestellte Übersetzung angefügt, in der ich einige ihrer Beispiele für Interessierte direkt zum Weiterlesen verlinkt habe.

Ich bin eine Geschichtenerzählerin. Und ich möchte Ihnen ein paar persönliche Geschichten erzählen, über das, was ich “Die Gefahr der einzigen Geschichte” nenne. Ich bin auf einem Universitätsgelände im Osten Nigerias aufgewachsen. Meine Mutter sagt, dass ich mit zwei Jahren zu lesen angefangen habe; ich denke allerdings, dass vier wohl eher der Wahrheit entspricht. Ich fing also früh an zu lesen. Und was ich las, waren britische und amerikanische Kinderbücher.

Ich fing auch früh an zu schreiben. Und als ich, mit ungefähr sieben Jahren, anfing zu schreiben, mit Bleistift geschriebene Geschichten mit Buntstiftbildern, die meine arme Mutter gezwungen war zu lesen, schrieb ich genau die Art von Geschichten, die ich las. All meine Charaktere waren weiß und blauäugig. Sie spielten im Schnee. Sie aßen Äpfel. Weiterlesen »

Türken vor Berlin!

Heute möchte ich einige empfehlenswerte Dokumentationen zu verschiedenen Aspekte türkischen Lebens in Deutschland vorstellen. Ich empfehle aber jedem, der die Möglichkeit dazu und ernsthaftes Interesse an dieser Kultur hat, selbst mit den Nachbarn mit türkischem Migrationshintergrund in Kontakt zu treten – eine Bereicherung für beide Seiten!

Wer das nicht kann oder nicht möchte, möge sich wenigstens möglichst reflektiert mit dem Thema auseinandersetzen ohne jeder Laune der Medien ohne Nachfragen zu folgen! Hier erfährt man mehr über Türken, die versuchen sich in Deutschland anzupassen und die ihren Hintergrund nicht ganz verlieren möchten; über Türkinnen, die dabei noch ganz andere Probleme haben, wie auch die Jugendlichen, die dabei scheinbar ihre eigene Kultur konstruieren; und über deutsche Türken, die zurück in die Heimat möchten und dabei auch auf so einige Probleme stoßen…

Von Türkischdeutschen und Deutschtürken

Leben in 2 Welten – Drei türkische Frauen in Deutschland

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Wer sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt kann sehr weit zurückgreifen. Biblisch betrachtet führte Moses sein Volk Israel vom Exil in Ägypten ins Gelobte Land – Kanaan. Historisch gesehen war das vermutlich 1211 v. u. Z., wovon die Merenptah-Stele zeugt – der älteste außerbiblische Beleg für die Eroberung Kanaans durch die Israeliten.

Dort lebte das Volk eine lange Zeit (nach biblischer Überlieferung wurde um 1000 v.u.Z. Jerusalem von König David erbaut) bis es dann unter König Salomo zerfällt. Im Laufe der Zeit gerät es unter persische Herrschaft, dann unter griechische (Alexander der Große) und schließlich unter seleukidische bis es noch einmal etwa 100 Jahre autonom ist bevor die Römer das Land einnehmen. Gegen diese Besatzung wehren sich die Juden sehr, 135 u.Z. wird der letzte Aufstand endgültig zerschlagen und das ganze Volk in die Diaspora verbannt.

Seither nennt man das Land Palästina.

Ab 634 wurde die Region von Arabern erobert. Zwar regierten sie zeitweise zum Teil christliche Kreuzfahrer, jedoch gelang bald die Zurückeroberung durch die Muslime. 1517  wurde Palästina Teil des Osmanischen Reichs, das erst zum Ende des 1. Weltkriegs 1918 unterging.

Seit 1882 kam es durch den zunehmenden Antisemitismus in Europa wieder zu Einwanderungswellen von Juden nach Palästina. Es entwickelte sich der Zionismus, stark beeinflusst vorallem durch Theodor Herzl, der die Bewegung dann auch führte. Weiterlesen »

Heute habe ich meine Zwischenprüfung in Religionswissenschaft mit einem “sehr gut” bestanden, was mich selbstverständlich riesig freut. Und nun freue ich mich darauf, wieder Augen für die kleinen Freuden des Lebens zu haben, die mindestens 1x am Tag möglich sind. Freude mitten im Alltag :-) Hier meine Top Ten:

1. In der Morgensonne barfuß durch’s taufrische Gras laufen

(Bildquelle)

2. An einem Regentag das Fenster öffnen und tief einatmen

(Bildquelle)

3. Im Arm meines Mannes einschlafen und genauso wieder aufwachen

(Bildquelle)

4. Die Rinde eines Baumes ertasten (im Wald oder am Straßenrand)

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